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Du mußt ein Schwein sein!

Holger's Gedanken vom 15. Januar 1999
Anspiel zum Thema


Geheimer Text

Ich war eifersüchtig auf die Menschen, die nicht nach dem Willen Gottes fragen; denn ich sah, wie gut es ihnen geht. Sie kennen keine Krankheit bis zu ihrem Tod. Sie sind gesund und wohlgenährt. Sie führen ein sorgenfreies Leben und müssen sich nicht quälen wie andere Leute.

Ihren Hochmut tragen sie zur Schau wie einen Schmuck, ihre Gewalttätigkeit wie ein kostbares Kleid. Ihr Luxusleben verführt sie zur Sünde, ihr Herz quillt über von bösen Plänen. Ihre Reden sind voll von Spott und Verleumdung, mit großen Worten schüchtern sie die Leute ein.

Sie reißen das Maul auf und lästern den Himmel, ihre böse Zunge verschont nichts auf der Erde. Darum laufen sogar die Christen ihnen nach und lauscht begierig auf ihr Geschwätz. "Gott merkt ja doch nichts!" sagen sie. "Was weiß der da oben von dem, was hier vorgeht?"

So sind sie alle, die Gott verachten; sie häufen Macht und Reichtum und haben immer Glück. Es war ganz umsonst, Herr, daß ich mir ein reines Gewissen bewahrte und wieder und wieder meine Unschuld bewies. Ich werde ja trotzdem täglich gepeinigt, ständig bin ich vom Unglück verfolgt




Schweinchen Wir haben alle gerade gehört was Karin uns vorgelesen hat. Mann muß halt ein Schwein sein in dieser Welt, um es zu etwas zu bringen. Die schwachen sterben aus! Wer seine Ellbogen nicht benutzt geht unter im Gedränge aller anderen.

Was glaubt Ihr, von wem der Text ist, den Karin gerade vorgelesen hat? Klingt doch alles sehr vertraut. Das könnte ich selbst so geschrieben haben. Und doch ist dieser Text viel älter. Er kommt aus der Bibel. Aus einem uralten Teil der Bibel sogar, den Psalmen. 2000 Jahre ist dieser Text mindestens schon alt, vermutlich älter.

Du mußt ein Schwein sein in dieser Welt. Ich habe eigentlich gedacht, daß erst seit einiger Zeit diese Parole angesagt ist. Die Prinzen haben es nur erkannt und zur Sprache gebracht. Aber das ist wohl falsch. Schon vor 2000 Jahren hat es schon Schweine gegeben

Schweinchen Bei den Gedanken zu diesem Abend kamen uns spontan die Ferengi in den Sinn. Ihr kennt hoffentlich alle die Ferengi. Diese kleinen, häßlichen Mitbewohner der Raumstation DeepSpace-9. Quark ist der Besitzer der Bar auf der Raumstation und ein richtiges Schwein. Sein Volk lebt nach eisernen Regeln, den Erwerbsregeln.

Ich habe einige davon für Euch aufgeschrieben:

Diese Regeln klingen fast so, als währen sie für unsere Gesellschaft erstellt worden. Profit, Gewinn, Gewinnspanne, Vorteil, das sind die Werte die zu zählen scheinen. Ob andere verletzt werden oder nicht, zählt erst einmal nicht. Eigene Fehler hängt man am besten dem langweiligen Kollegen oder dem Klassenstreber an. Den kann ohnehin keiner leiden. Vor lauter Grabenkrieg und Intrigen kommt man kaum noch dazu die eigene Arbeit zu erledigen. Aber auch da hat das Schwein schon eine passende Lösung parat. Man nimmt einfach die Ideen und Arbeiten der Anderen und glänzt damit. Daß der Andere verärgert oder verletzt ist, zählt nicht. Leistung ist angesagt. Wer zu schwach ist fällt halt raus.
Ist das wirklich die Lösung? Sollen wir Christen auch mitmachen bei dieser Schlacht? Schließlich müssen wir doch auch zu unserem Recht kommen. Auch wir haben ein Recht darauf zufrieden und glücklich zu sein.

Schweinchen Wen Ihr Euch gerade diese Frage gestellt habt, dann habe ich es einfach mit der Antwort! Wacht endlich auf. Denkt doch mal nach! Sind wir wirklich glücklich in einer Welt wie ich sie gerade beschrieben habe. Können wir stolz darauf sein andere verletzt zu haben, ein Schwein gewesen zu sein. Ich bin über Leichen gegangen, was bin ich doch für ein toller Kerl.

Spielt Euer Gewissen da wirklich mit? Dieses unheimliche, unbequeme vom Glauben bestärkte Wesen in Eurer Brust. Ja, der heult jetzt. Dem habe ich es mal wieder gezeigt. Ist das wirklich Stärke die zählt. Freunde, die wir gewinnen, weil wir andere zur Sau gemacht haben, können im nächsten Atemzug schon unsere Feinde sein. Schließlich sind sie ja auch nur Schweine und in erster Linie auf den eigenen Vorteil bedacht. Wir können eigentlich gar nichts anderes von ihnen erwarten.

Stark sein soll in dieser Gesellschaft etwas zählen. Nicht weinen, alles cool im Griff haben. Bloß keine Fehler eingestehen. Das soll wirklich stark sein? Ich kann nur lachen. Das ist die schlauste Lüge der Schweine. Überlegt mal, was ist einfacher zu sagen: "Du bist doch einfach blöd" oder "Es tut mir leid, ich hab da wohl mal Mist gemacht. Laß uns bitte nochmal drüber reden."?
Fehler eingestehen und sich auch um die Folgen kümmern, das ist schwer, das erfordert unsere ganze Kraft. Das ist die wahre Stärke.

Schweinchen Jesus sagt: "Behandelt jeden so, wie ihr selbst von ihm behandelt sein wollt." (Lukas 6,31). Und auf die Frage nach dem wichtigsten von allen Geboten sagt er: "Der Herr ist unser Gott, der Herr und kein anderer. Gleich danach kommt das andere Gebot: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Es gibt kein Gebot, daß wichtiger ist als diese beiden." Wenn Ihr diesen Rat befolgt, werdet Ihr schnell merken, daß Zufriedenheit und Glück nicht durch Schweinsein entstehen. Zufriedenheit entsteht, wenn man den Nächsten liebt und verantwortungsvoll mit ihm umgeht. Wenn wir Probleme der Anderen vorausahnen und ihnen helfen diese zu meistern. So wie wir hoffen, daß andere helfend auf uns zukommen.

Was zunächst so schwach aussieht in dieser Welt: Rücksicht, Vorsicht, Mitgefühl ist die eigentliche Stärke. Jesus sagt: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum tragenden Stein geworden. Wer auf diesen Stein stürzt, der wird zerschmettert, und auf wen er fällt, den zermalmt er."
Zum Schluß will ich noch einmal auf den Psalm zurückkommen. Ihr wißt schon, diese mehr als 2000 Jahre alte Klage über Schweine aus uralter Zeit. Ich habe Euch bis jetzt den Schluß des Psalms vorenthalten. Das will ich jetzt nachholen. Als Antwort auf all die Zweifel und Klagen die der Psalmschreiber hat kommt er selbst zu einem Gebet, daß ich jetzt mit Euch beten will.

Schweinchen Schweinchen

PSALM 73 (Schluß)

Aber wenn ich so reden wollte wie sie, würde ich alle verraten, die zu dir gehören. Ich mühte mich ab, das alles zu verstehen, aber es schien mir ganz unmöglich. Doch dann kam ich in dein Heiligtum. Da erkannte ich, wie es mit ihnen ausgeht: Du stellst sie auf schlüpfrigen Boden; du verblendest sie, damit sie stürzen. Ganz plötzlich ist es aus mit ihnen, sie alle nehmen ein Ende mit Schrecken. Herr, wenn du aufstehst, verschwinden sie wie die Bilder eines Traumes beim Erwachen.

Als ich verbittert war und innerlich zerrissen, da hatte ich den Verstand verloren wie ein Stück Vieh stand ich vor dir. Und doch, Gott, ich komme von dir nicht los. Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich; du leitest mich nach deinem Plan und holst mich am Ende in deine Herrlichkeit. Wer im Himmel könnte mir helfen, wenn nicht du? Was soll ich mir noch wünschen auf der Erde? Ich habe doch dich!

Amen


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01.03.1999 Holger Böttcher