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Rose

Steine zu Rosen machen

Woher komt Hoffnung

Rose

Gedanken zur Jesus-Night vom 18.02.2000

von Ute Reckzeh und dem Hauskreis

Diesmal findet Ihr an dieser Stelle nicht unsere ganzen Gedanken zum Thema. Ihr müßt Euch die Mühe machen, selbst auf die zündende Idee zu kommen. Die folgende Geschichte stand im Mittelpunkt unserer Überlegungen. Ich kann mir fast vorstellen, wie Ihr zunächst einmal etwas verwundert über den Ausgang der Story die Stirn runzelt:

Die Rose

Der Dichter Rainer Maria Rilke befand sich einmal in Paris. Mit einer Freundin kam er mittags an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß und ihre Hand ausstreckte. Niemals sah sie zu jemandem auf, der ihr etwas in die Hand legte. Sie äußerte kein anderes Zeichen der Bitte oder des Dankes, als immer nur ihre Hand auszustrecken. So saß sie immer am gleichen Ort. Der Dichter Rilke gab nie etwas, während seine Freundin häufig ein Geldstück gab. Die Freundin fragte ihn eines Tages verwundert, warum er nie etwas gebe. Rilke antwortete: "Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand."

Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit und legte sie in die offene und abgezehrte Hand der Bettlerin. Und er wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küßte sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die alte Frau verschwunden. Der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Freundin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten Geld gebe.

Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum zeigte sie nur ihre Dankbarkeit durch die ausgestreckte Hand. "Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?" fragte die Freundin Rilkes. Er antwortete: "Von der Rose..."

Nachgedanken

Holger: Eine Pennerin, die eine Rose statt Geld annimmt? Was hat denn eine Pennerin von einer Rose? Rosen kann man nicht essen und auch nur schwer verkaufen. Mit diesem Geschenk kann die gute Frau doch wirklich nichts anfangen. Und dann braucht sie auch noch mehrere Tage nicht zu betteln? Wovon hat sie denn während all dieser Zeit gelebt?

Karina: Ich glaube, ich weiß was die Geschichte uns sagen will. Es gibt eine Stelle in der Bibel, die genau davon spricht. Math. 4 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.»

Genau dafür steht auch die Rose aus Utes Geschichte. Auch die arme alte Frau in Paris lebt nicht nur vom Brot allein. Es gibt so viele Dinge, die mindestens genauso wichtig sind wie Brot oder Geld.

Hier haben wir jetzt einige Beispiele und Erlebnisse für diese Erkenntnis zusammengetragen. Sicher kommt Ihr auf ähnliche Ideen.

Silvia: Der Penner am Bahnhof geht fein essen. (Würde)
Eine ältere Freundin hat einen Obdachlosen zum Essen in ein sehr feines Restaurant eingeladen, weil sie sich nicht sicher war, daß dieser das erbetene Geld in Nahrungsmittel anlegen würde. Als sie vor dem Restaurant stehen, wird der Penner vom Ober abgewiesen. Nach längerer Diskussion ist sie so erbost, daß sie dem Ober droht dieses Restaurant in Zukunft zu meiden. Jetzt endlich wird der Obdachlose eingelassen. Zu erleben, wie seine Würde verteidigt wird, hat ihm vermutlich mehr geholfen als die warme Mahlzeit.

Holger: Hinz und Kunzt das Pennerzeitungsprojekt (Anerkennung)
Beim Projekt "Hinz und Kunzt" erstellen Obdachlose und Redakteure eine Milieuzeitung mit zusätzlichen Kulturinformationen. Die Zeitungen werden von Obdachlosen verkauft, die einen Anteil des Erlöses direkt behalten können. Es ist schön zu sehen, wie diese Arbeit von den "Pennern" wahrgenommen wird und wie durch die Verkäufertätigkeit aus elenden Bettlern anerkannte Verkäufer werden.

Andreas: Geld oder Liebe zur Konfirmation? (Liebe, Umsorgt sein)

Bianca: (Glaube, Hoffnung)

Ute: Gedanken zu "Da fällt mir ein Stein vom Herzen", "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" (Überleitung zum Abendmahl)


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08.03.2000 Holger Böttcher