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Alles in Butter?

In unserem Anspiel habt ihr vermutlich das eine oder andere mal gedacht: "Ja, stimmt, so ist das wirklich manchmal." Leider kann ich da nur sagen. Wie oft sind wir viel zu selbstgefällig? Wie oft verletzen wir andere Mitmenschen oder auch Mitchristen? Jesus hat uns eine schwere Aufgabe gestellt. Er sagt im Matthäusevangelium zu seinen Jüngern:

Matthäus 5, 43: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch lieben? Sogar Betrüger lieben ihresgleichen. Was ist denn schon besonderes daran, wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid?

Ja, was ist denn so besonderes daran, wenn wir nur zu unseren Brüdern und Schwestern freundlich sind? Habt ihr Geschwister? Und, wie klappt es so untereinander? Ist nie Streit unter euch? Ich habe drei Brüder und längst nicht immer ist alles so harmonisch wie man meinen sollte. Es wird natürlich mit der Zeit besser, wenn jeder eine eigene Wohnung hat und man sich eher selten sieht. Für kurze Zeit ist es meist einfacher Frieden zu halten. Aber früher...

Jesus geht es aber nicht nur um unsere leiblichen Brüder. Sein Gebot ist viel umfassender. Er meint alle Brüder und Schwestern im Glauben an Gott. Und damit nicht genug, er will sogar von uns, daß wir unsere Feinde lieben. Wenn wir es noch nicht einmal schaffen unsere Brüder und Schwestern im Glauben zu lieben. Denkt noch mal an unser Rollenspiel. Bekommt jeder eine Chance? Auch der mit den unmöglichen Klamotten? Auch der, der zu spät zum Gottesdienst kommt? Auch der Penner, der bettelnd in der Fußgängerzone sitzt? Wie ist es im Büro, in der Schule? Bekommt jeder von uns eine Chance? Eventuell sogar eine zweite Chance wenn es nötig ist?

Wenn ich darüber nachdenke woran es liegt, daß wir nicht einmal mit unseren Brüdern und Schwestern in Eintracht leben können kommt mir ein wichtiges Wort in den Sinn: Gemeinde. Wir alle heute abend sind eine Gemeinde. Und wie fühlt es sich so an zu einer Gemeinde zu gehören? Alle hier im Raum sind unsere Brüder und Schwestern. Ich kann sie mir ja alle ansehen, euch, meine Brüder und Schwestern. Dabei merke ich, daß ich von einigen Brüdern und Schwestern überhaupt keine Ahnung habe. Seht euch mal um, geht es euch nicht genauso wie mir?

Da habe ich doch eine tolle Idee. Oder besser gesagt: ich hatte die Idee natürlich letzten Sonntag, als ich diese Predigt geschrieben habe. Wir stellen in der Jesusnight manchmal kleine Aufgaben an euch. Wir nennen das dann eine Mitmachaktion. Eine Aktion also, bei der ihr nicht still in eurem Stuhl verharren könnt. Eure Mitarbeit ist jetzt gefordert. Seht euch um. Wenn in eurer Nähe auch nur ein Jesusnightbesucher sitzt, den ihr nicht kennt, dann verratet ihm kurz euren Namen und woher ihr kommt. Lernt euch kennen.

Kennenlernen im Gottesdienst, ein seltsames Gefühl. Und doch ist es jetzt ein besseres Gefühl. Ich habe das Gefühl mehr zu euch zu gehören. Ich bin fest davon überzeugt, daß die Gemeinschaft die wir heute abend miteinander erleben ein wichtiger Teil des christlichen Glaubens ist. Wir sollen unsere Brüder und Schwestern lieben. Wie soll das denn funktionieren, wenn ich sie nicht einmal kenne, meine Brüder und Schwestern? Wir müssen uns die Zeit nehmen, die Menschen um uns herum kennenzulernen. Nur dann haben wir auch eine Chance zu verstehen warum sie bestimmte Dinge tun, warum sie so altmodische Klamotten tragen, warum sie so selten kommen und und und...

Es reicht nicht Zuhause auf der Couch zu sitzen und innig an Gott zu glauben. Es reicht nicht einmal am Sonntag in die Kirche zu gehen und das Leid der Christenheit zu beklagen: "Es kommt ja keiner mehr zum Gottesdienst! Wie gut, daß wenigstens ich noch komme." Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern: "Ein neu Gebot, das gebe ich euch, daß ihr liebet einander wie ich euch geliebt." Das können wir nur schaffen, wenn wir uns überhaupt kennen. Verständnis erwächst nicht vom Erkennen sondern vom Kennen.

Weil diese Gemeinschaft so wichtig ist, will ich jetzt auch mit meinen Gedanken zum Ende kommen. Ich möchte uns Zeit geben einander kennenzulernen. Nachher beim Treff und auch gleich beim Abendmahl. Kommt alle zum Abendmahl, wie es ja Gott sei Dank üblich ist in der Jesusnight. Bleibt nachher alle ein wenig zum Treff. Laßt uns einander kennenlernen.

Ich möchte mit euch beten:

Jesus, wir danken Dir für die Gemeinschaft die wir erleben dürfen. Sei jetzt bei uns und hilf uns, offen auf andere Menschen zuzugehen. Sei auch gleich bei uns während des Treffs. Laß uns einander kennenlernen und verstehen. Forme eine Gemeinde aus uns.

Amen


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24.05.1999 Holger Böttcher